Erinnerungskultur

„Ich habe hier nur von meiner Familie die traurige Wahrheit aufgezeichnet, und ich bete und hoffe, dass sich so eine Tragödie für die ganze Menschheit nie wiederholt!“

(Karla Raveh, Überleben, Lemgo 2003, S.118)

 

Karla Raveh (1927 – 2017), die Namensgeberin unserer Schule, gab dieser Hoffnung zeitlebens einen breiten Raum. Sie suchte und fand bis ins hohe Alter immer wieder den direkten Kontakt zu Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen unserer Schule. Mit lebendigen Berichten rief sie als Zeitzeugin die Erinnerung an ihre glückliche Kindheit in Lemgo, aber auch an die menschenverachtende Zeit der Verfolgung und Vernichtung des Nationalsozialismus wach.

Sie wollte einerseits die Erinnerungen an die vergangenen Verbrechen der NS-Diktatur wachhalten, andererseits sollten für die Zukunft an unserer Schule ein Ort der Begegnung geschaffen werden, der durch gegenseitige Toleranz, Achtung und Versöhnung über alle religiösen und nationalen Grenzen hinweg geprägt ist.

Diesem Vermächtnis Karla Ravehs fühlen wir uns verpflichtet.

Seit 2017 setzen die Söhne Michael und Danny Raveh das langjährige Wirken ihrer Mutter in zweiter Generation fort. Der Kontakt zwischen Israel und Lemgo wird bei Besuchen anlässlich der Einschulungs- und Abschlussfeiern an unserer Schule weiter gepflegt.

Die Karla-Raveh-Gesamtschule trägt ihrerseits mit einem schulinternen fächerübergreifenden Curriculum ihren Teil an der aktiven Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und der Erinnerung an die Geschichte der Familie Frenkel bei. Der Leitgedanke besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit die heranwachsende Karla Frenkel kennenlernen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten.

  • Den Jahrgängen 5 und 6 begegnet erstmals ein ganz normales Mädchen aus Lemgo: Karla Frenkel.
  • Die Jahrgänge 7 und 8 setzen sich mit den Erfahrungen der Ausgrenzung und Diskriminierung aus der Sicht der Schülerin Karla auseinander.
  • In den Jahrgängen 9 und 10 rücken die Erlebnisse der Jugendlichen Karla in Zeiten des Holocaust in den Mittelpunkt.
  • In der Oberstufe schließlich setzen sich Mitglieder der „Israel AG“ im Rahmen des Schüleraustausches mit der Partnerschule in Maccabim-Re`ut (Israel) mit dem Leben der Holocaust-Überlebenden und ihrer Nachkommen in gegenwärtigen israelischen Gesellschaft auseinander.

Vertieft wird die Gedenkkultur durch schulinterne Aktivitäten wie z.B. dem jährlichen Maikonzert anlässlich des Geburtstages des Namensgeberin, oder der Ausschreibung künstlerischer Wettbewerbe zum Leben Karla Ravehs.

 

Unsere Schule öffnet sich aber auch auf dem Gebiet der Erinnerungskultur der Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen, Institutionen und Arbeitsgruppen, die im regionalen Raum an der Dokumentation der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft arbeiten. Insbesondere sollen Schülerinnen und Schüler zur Mitarbeit im öffentlichen Raum angeregt und angeleitet werden:

  • Bei der Mitgestaltung von Wechselausstellung oder der Präsentation von Theaterproduktionen in der Dokumentations- und Begegnungsstätte Frenkelhaus.
  • Bei der jährlichen Teilnahme an der Gedenkveranstaltung der Stadt Lemgo zur Reichspogromnacht am 9. November.
  • Bei der Pflege des Gedenksteins an die Familie Frenkel auf dem Schulgelände, der Stolpersteine vor dem Frenkelhaus oder des jüdischen Friedhofs.

Schließlich unterstützt die Schule im Rahmen des Gedenktages zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz den Besuch regionaler NS-Gedenkstätten durch Klassen des 10. Jahrgangs:

  • Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg
  • Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) in Stukenbrock
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