Schüleraustausch mit Kaunas – unser Gegenbesuch

Am Montag, den 16.10.2017, trafen wir uns – 20 Schülerinnen und Schüler der Karla-Raveh-Gesamtschule und ihre Lehrerinnen Frau Gockel und Frau Niehage – um 6:30 Uhr am Flughafen in Hannover.

Unser Flugzeug startete erst um 8:30 Uhr und wir hatten Glück mit den Sicherheitskontrollen, so dass wir uns die Zeit bis zum Abflug mit Musikhören, Lesen oder einfach noch ein bisschen Schlafen vertrieben. Endlich im Flugzeug war bei einigen die Spannung groß, denn einige waren zuvor noch nie geflogen. Auch unsere Mitreisenden – größtenteils Banker auf dem Weg nach Frankfurt – waren sehr amüsiert, denn wir unterhielten die „Lauscher“ mit lustigen Geschichten und „überragenden geographischen Kenntnissen“.

In Frankfurt angekommen mussten wir uns beeilen, denn der Anschlussflug nach Vilnius ging in wenigen Minuten. Da das Flugzeug dann aber Verspätung hatte, kamen wir erst verspätet in Vilnius an. Dadurch verpassten wir unseren Zug nach Kaunas und mussten auf den nächsten warten. Trotz der Verspätung, mit der wir in Kaunas ankamen, wurden wir im Darius-und Girenas-Gymnasium  von allen herzlich begrüßt. Anschließend ging es endlich, denn darauf waren wir alle natürlich am meisten gespannt, in unsere Gastfamilien, wo wir dann doch recht fertig in die Betten fielen.

Der Dienstagmorgen begann mit einem Programm an der Universität in Kaunas. Dort haben wir eines der Deutschseminare besucht – in Litauen waren gerade die „Tage der deutschen Sprache“ – und uns im Anschluss die Universitätsgebäude mit der neuen Bibliothek angeschaut. Mittags gingen wir zurück in die Schule, um dort in der Mensa zu Essen. Es gab Spitzwegerich-Suppe – eine interessante Erfahrung! Am Nachmittag folgten wir einer Einladung ins Rathaus von Kaunas, das wir besichtigten und dort eine offizielle Begrüßung durch die stellvertretende Bürgermeisterin und den Stadtrat der Jugend erhielten. Anschließend ging es zusammen mit unseren Austauschpartnern zu einer Stadtrallye durch Kaunas‘ Altstadt. Diese endete dann am alten Rathaus, das heute das Standesamt und ein Museum beherbergt. Damit war der offizielle Teil des Tages vorüber und wir verbrachten den Abend in unseren Gastfamilien.

Am Mittwochmorgen ging es zu unserem ersten Ganztagesausflug. Wir fuhren in die Hauptstadt Vilnius. Mit dem Bus oder zu Fuß erkundeten wir zunächst mit einer Stadtführerin, dann in Kleingruppen Vilnius. Vilnius ist eine junge Universitätsstadt und geprägt von einer Vielzahl von Kirchen und Glaubensrichtungen. Auf der Rückfahrt ging es noch nach Trakai, wo wir eine spätmittelalterliche Wasserburg besichtigten, die im Laufe ihrer Geschichte für viel verschiedene Zwecke, so beispielsweise als Residenz der Fürsten, genutzt wurde.

Den nächsten Morgen nahmen wir am regulären Unterricht teil, der sich äußerlich schon ein wenig – aber inhaltlich gar nicht so sehr – von unserem Unterricht in Deutschland unterscheidet. So haben dort zum Beispiel nicht die Klassen einen Klassenraum, sondern die Lehrerinnen und Lehrer einen eigenen Raum und die Schülerinnen und Schüler wechseln die Räume. Die Räume sind modern und technisch gut ausgestattet (Beamer, PC, Whiteboard). Alle Schüler tragen Sakko oder Blazer. Im Anschluss an den Unterricht gab es einen Sportwettbewerb, gegessen wurde dann wieder in der Mensa. Wir deutschen Schülerinnen und Schüler besuchten am Nachmittag die Erinnerungsstätte Fort IX, eine Festungsanlage, die vor dem Ersten Weltkrieg erbaut wurde und heute eine Erinnerungsstätte für die Opfer stalinistischer Verfolgung und nationalsozialistischen Massenmordes ist. Dort hatten wir eine Führung, bei der wir viel über die Geschichte des Ortes erfahren haben. So wurde das Fort IX auch als Konzentrationslager nach dem Zweiten Weltkrieg benutzt. Wieder in Kaunas angekommen trafen wir uns mit unseren Gastschülerinnen und -schülern zum Bowlen in einem der großen Einkaufszentren.

Am Freitag ging es schon früh am Morgen zu unserem nächsten Ziel, der Stadt Nida auf der Kurischen Nehrung, einer 98 km langen Halbinsel in der Ostsee, die wir mit der Fähre erreichten. Dort besuchten wir beispielsweise das Thomas Mann Haus, wo der Schriftsteller drei Sommer verbrachte, bevor er emigrieren musste, oder eine der größten Dünen Europas nahe der Russischen Grenze. Auf dem Rückweg machten wir noch Zwischenstopp in Klaipeda, einer Hafenstadt, die im Mittelalter unter Mitwirkung von Dortmunder Kaufleuten gegründet wurde. Früh waren wir losgefahren – spät kamen wir abends wieder müde, aber voller neuer Eindrücke, in der Schule an.

Der Samstag war für Aktivitäten in den Gastfamilien vorgesehen, sodass jeder etwas anderes unternahm. Die einen besuchten Museen, andere fuhren in eine Indoor-Skihalle, ein Freizeitbad, ein Shopping-Center oder noch einmal nach Vilnius. Für den Abend hatten unsere Gastgeber privat verschiedene Partys organisiert, so dass wir teilweise bis spät in die Nacht zusammen feierten.

Am Sonntagmorgen fiel das Aufstehen entsprechend schwer, noch schwerer aber die Abschied, denn mit vielen schönen Erinnerungen und zum Teil auch ein paar Tränen mussten wir uns von unseren Gastfamilien verabschieden und stiegen in den Zug gen Heimat.

Alles in allem war es ein toller Schüleraustausch und auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Wir hoffen, dass die neuen Freundschaften über die Landesgrenzen hinweg lange bestehen bleiben.

© Antonia Tappe (KL. 10E)

  • Altes Rathaus
  • Bahnhof Vilnius
  • Deutschkurs Uni
  • Empfang Rathaus_1
  • Empfang Rathaus_2
  • Fort IX_1
  • Hinflug nach Frankfurt
  • Kurische Nehrung
  • Sport_1
  • Sport_2
  • Trakai_3

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